Versand und Logistik
Was Sie über Nachnahmen (vielleicht) nicht wussten …
20. Januar 2022

Nachnahmen haben ihre Tücken – Kartengebühren, nicht angenommene Sendungen und Cashflow. Sehen wir uns die Details an.
Die Nachnahme ist in den Gewässern von E-Commerce und Logistik ein häufig bemühter Begriff, und ihre Existenz plagt so manchen E-Shop. Sagen wir es geradeheraus – sie ist teuer, und ihr Preis steigt Jahr für Jahr. Zudem macht sie beim Abgleich eingehender Zahlungen mit ausgestellten Rechnungen viel Arbeit. Kurzum, wir alle würden uns Vorauszahlungen ohne unnötige Komplikationen wünschen …
Wenn Sie aber nicht zu diesen Glücklichen gehören und den überwiegenden Teil der Pakete per Nachnahme versenden, sollten Sie einen Moment aufmerksam sein. Wir haben einige Beispiele für Sie, damit Sie ihre Abrechnung richtig verstehen, und einige Tipps und Empfehlungen, wie Sie am besten damit umgehen.
Bargeld vs. Kartenzahlung
Vielen ist das vielleicht nicht bewusst oder sie wussten es nicht, aber ob Ihr Kunde die Nachnahme bar oder mit Zahlungskarte bezahlt, macht einen erheblichen Unterschied. Die Transportunternehmen berechnen (überwiegend) für die Kartenzahlung eine Transaktionsgebühr. Diese kann sich zwischen 0,9 % und 1,4 % des Nachnahmebetrags bewegen. Der Endpreis für eine per Karte bezahlte Nachnahme berechnet sich also so, dass zur Nachnahmegebühr noch ein prozentualer Zuschlag hinzukommt, der aus dem Nachnahmebetrag berechnet wird. Diesen Umstand zeigen wir an zwei einfachen Beispielen:
Beispiel 1:
- Der Versanddienstleister berechnet Ihnen für eine Barnachnahme 0,80 €.
- Er berechnet außerdem einen Zuschlag für die Kartenzahlung, und zwar 1,1 % des gesamten Nachnahmebetrags.
Wenn Sie also ein Paket mit einer Nachnahme von beispielsweise 80 € versenden, zahlen Sie dem Versanddienstleister (nur) 0,80 €, falls Ihr Kunde bar zahlt. Wählt der Kunde jedoch die Kartenzahlung, zahlen Sie dem Versanddienstleister {(0,80 € + (0,011 x 80)} = 1,68 €. Das ist mehr als die Nachnahmegebühr selbst, und es lohnt sich zu überlegen, was Sie dagegen tun können.

Minimale Unterschiede pro Einheit können in den gesamten Monatskosten auf Dutzende oder Hunderte Euro anwachsen.
Beispiel 2:
- Der Versanddienstleister berechnet Ihnen für eine Barnachnahme 0,80 €.
- Er berechnet außerdem einen Zuschlag für die Kartenzahlung, und zwar 1,1 % des gesamten Nachnahmebetrags.
- Monatlich versenden Sie 500 Pakete mit einem durchschnittlichen Nachnahmewert von 80 €.
- Der prozentuale Anteil der per Nachnahme versendeten Pakete beträgt 80 %, also 400 Pakete.
Wären die 400 versendeten Pakete bar bezahlt worden – zahlen Sie dem Versanddienstleister für die Nachnahmen in Summe: (0,80 € x 400) = 320 €. Wären die 400 versendeten Pakete per Karte bezahlt worden – zahlen Sie dem Versanddienstleister für die Nachnahmen in Summe: [(0,80 x 400) + {(80 x 0,011) x 400}] = 320 + 352 = 672 €
Mit diesen 2 Beispielen wollten wir nicht zeigen, wie gut wir rechnen können. Wir wollten damit auf die Bedeutung einer regelmäßigen Analyse hinweisen, die Ihnen die Antwort darauf geben kann, warum bei Ihnen so große Preisunterschiede bei den Paketen entstehen. Und die Antwort kann sich gerade in den Nachnahmezuschlägen verbergen und noch mehr im Fall der Kartenzahlung.
Für den vollständigen Überblick und die einfache Orientierung bei den Preisen zeigen wir unseren Kunden in Neoship bei jedem Paket dessen Endpreis sowie dessen einzelne Positionen (einschließlich der Gebühren für die Nachnahme):
Endpreis pro Paket:

Einzelne Positionen des Paketpreises:

Wachstumspotenzial
Die Nutzung der Kartenzahlung wächst auch aufgrund der Pandemiemaßnahmen von Jahr zu Jahr deutlich. Zur Bestätigung des oben Gesagten fügen wir eine Information des Versanddienstleisters GLS hinzu, der im 1. Halbjahr 2019 von der Gesamtzahl der Nachnahmepakete 5 % per Karte bezahlt verzeichnete. Im 1. Halbjahr 2021 waren es bereits 27 %. Wir gehen davon aus, dass diese Zahlen bei anhaltender Covid-Situation weiter steigen werden.
Stopp für die Kartenzahlung
Bei einigen Versanddienstleistern ist es möglich, das „Stoppen" der Kartenzahlung für die Nachnahme zu beantragen. Wägen Sie bei der Entscheidung, ob Sie diese Möglichkeit nutzen oder nicht, sehr gut alle Für und Wider ab. Aus Kostensicht sparen Sie zwar, andererseits können Sie einen Kunden verlieren, der wegen dieser Einschränkung beim nächsten Mal vielleicht nicht mehr bei Ihnen kauft. Und sollten Sie sich doch entscheiden, die Kartenzahlung zu stoppen, informieren Sie Ihre Kunden darüber – ausreichend verständlich, rechtzeitig und an sichtbarer Stelle (helfen kann zum Beispiel eine „große rote Meldung" im Warenkorb, wenn der Kunde die Versandart auswählt). Mit guter Information vermeiden Sie mit Sicherheit zahlreiche Probleme, die mit unerfreulichen Anrufen oder Bewertungen einhergehen.
Unsere Empfehlung

Um den Anteil der Nachnahmepakete und die damit verbundenen Transportkosten zu senken, können Sie die Nachnahme im Warenkorb zum Beispiel deutlich bepreisen – entweder generell oder ab einem bestimmten Bestellwert. Motivieren Sie Ihre Käufer, häufiger das Zahlungsgateway oder die Zahlung mit der Online-Zahlungskarte zu nutzen, wenn sich diese Zahlungsart angesichts der damit verbundenen Gebühren für Sie mehr lohnt.
Selbstverständlich dreht sich nicht alles nur um Nachnahmen. Nachnahmen sind nur ein Teil des Paketpreises. Und der Paketpreis ist ebenfalls nur ein Teil der gesamten Versandkosten. Mehr dazu haben wir im Artikel Preis des Versands = Preis pro Paket? geschrieben. Wenn Sie sich jedoch bemühen, die Prozesse in Ihren E-Shops zu verbessern und effizienter zu machen, muss man das schrittweise angehen, zum Beispiel auch mit einer detaillierten Analyse der Nachnahmen. Wir hoffen, dass Sie unsere Informationen bei deren möglicher Umsetzung nutzen. Wir drücken Ihnen die Daumen :)
Über Nachnahmen, aber auch über weitere Themen rund um Versand und Logistik haben wir ausführlicher in unserem E-Book geschrieben – Schritt für Schritt zur richtigen Versandlösung. Und das Beste: Das E-Book steht völlig kostenlos zum Download bereit.