Versand und Logistik
Kaffee mit Croissant in der Weihnachtslogistik
20. Oktober 2019

Ein kurzer Blick hinter die Kulissen der Weihnachtslogistik beim morgendlichen Kaffee mit Croissant.
Ehe wir uns versahen, sind die letzten Monate des Jahres da. Was bedeutet das (nicht nur) im E-Commerce? Auf Seiten der E-Shops einen vielfachen Anstieg der Bestellungen und den damit verbundenen Druck auf eine schnelle und zuverlässige Zustellung der Sendungen an die Kunden. Auf Seiten der Transportunternehmen einen enormen Anstieg der transportierten Pakete. Diese Situation hat das Geschehen auf dem Logistikmarkt erheblich beeinflusst und zu verschiedenen Veränderungen beigetragen.
Warum greifen wir dieses Thema auf?
Bei Neoship befinden wir uns irgendwo in der Mitte zwischen E-Shop und Versanddienstleister. Die Veränderungen auf dem Logistikmarkt haben auch uns betroffen, und genau deshalb nehmen wir die Situation von allen Seiten sehr sensibel wahr. Wir haben für Sie einige Denkanstöße und Fakten aufgeschrieben, die wir aktuell im E-Commerce im Bereich Logistik beobachten und die vielleicht auch Ihnen einen anderen Blick auf die Sache geben. Zum Schluss haben wir unsere Empfehlungen ergänzt, die Ihnen helfen könnten, mit dem Transportpreis effizient umzugehen und die Qualität der von Ihnen genutzten Versandleistungen optimal zu bewerten.
Denkanstöße

Denkanstoß Nr. 1: Kosten, Erlöse, Gewinn Verkäufe, Umsätze und Gewinne (des überwiegenden Teils) der E-Shops wachsen in der Vorweihnachtszeit. Auf der anderen Seite wachsen dank der höheren Paketzahl auch die Umsätze der Kurierdienste, doch ihre Kosten steigen in dieser Zeit erheblich, was für sie letztlich einen geringeren Gewinn im Vergleich zu normalen Monaten bedeuten kann.
Denkanstoß Nr. 2: Der Kurier Fast jeder Kunde erwartet eine perfekte und schnelle Zustellung mit überdurchschnittlichem Service. Dazu mit einem netten und lächelnden Kurier, unabhängig davon, ob es draußen friert, eine Unwetterlage herrscht oder es regnet. Einem Kurier, der jeden Morgen um vier aufsteht und abends um acht nach Hause kommt. Einem Kurier, der häufig vor einer Tür steht, an der ihm niemand öffnet und niemand ans Telefon geht. Einem Kurier, der die Ware auch in den 4. Stock ohne Aufzug trägt. Einem Kurier, der … unter allen Umständen großartig sein muss. Hand aufs Herz: Wer würde gerade in der Weihnachtszeit gerne als Kurier bei irgendeinem Transportunternehmen arbeiten? Und wenn ja, für welchen Lohn?
Denkanstoß Nr. 3: Preis eines Kaffees vs. Preis der Zustellung Es ist interessant zu beobachten, dass für ungefähr den Preis eines Kaffees mit Croissant (mancherorts vielleicht auch ohne) erwartet wird, dass ein Paket von Bratislava nach Košice am nächsten Werktag zugestellt wird. In diesem Preis soll der Kurier das Paket im E-Shop abholen, es einladen, ins Depot bringen, ein Mitarbeiter im Depot soll das Paket anhand der Daten verarbeiten, auf die Sortieranlage und anschließend in den LKW laden, der nachts nach Košice fährt. Nach der Ankunft in Košice wird das Paket im Hauptdepot erneut verarbeitet und in den Transporter des Kuriers geladen, der es an diesem Tag dem Kunden zuzustellen versucht. Ist der Preis für einen Kaffee im Vergleich zur Zustellung eines Pakets angemessen?
Denkanstoß Nr. 4: Steigende Arbeitskosten Allgemein gilt, dass die Arbeitskosten steigen. Wenn Sie in Not sind und kurzfristig neue Leute einstellen müssen, müssen Sie noch mehr zahlen, um die geforderte Qualität sicherstellen zu können. Darüber hinaus müssen Sie die Technologien auf die steigenden Volumina auslegen, obwohl Sie sie 10 Monate lang nur zur Hälfte oder zu einem Drittel nutzen.
Denkanstoß Nr. 5: Erhöhung der Transportpreise Wenn ein Versanddienstleister einen vielfachen Volumenanstieg innerhalb von 2 Monaten bewältigen soll, muss er verschiedene Maßnahmen ergreifen. Zur Bewältigung der Situation stellt er neue Lagerarbeiter, Verlader, Menschen im Kundenservice ein, investiert in Transportsysteme, Anlagen, Fahrzeuge … Die ergriffenen Maßnahmen müssen deshalb in Form höherer Transportpreise an die E-Shops weitergegeben werden.
Fakten

Fakten der Transportunternehmen
Fakt ist, dass allgemein alle Transportunternehmen einschließlich der Post ihre Preise erhöhen. Warum? Fakt Nr. 1: Die Kosten der Transportunternehmen steigen allgemein. Fakt Nr. 2: Die Zahl der transportierten Pakete steigt in der Vorweihnachtszeit und ist gegenüber den üblichen Monaten des Jahres um ein Vielfaches höher. Fakt Nr. 3: Die Senkung der Transportpreise wegen des „Preiskriegs" der vergangenen Jahre ist an einem Boden angelangt, der nicht haltbar ist. Fakt Nr. 4: Das Unternehmen Slovak Parcel Service führt als erstes in der Slowakei einen „Saisonzuschlag" ein. Er tritt am 1.11.2019 in Kraft und wird bis zum 24.12.2019 auf jede Sendung angewendet. Unter den Transportunternehmen ist der Saisonzuschlag keine Neuheit. In Tschechien zum Beispiel haben ihn einige Transportunternehmen bereits im vergangenen Jahr eingeführt.
Fakten über den Transport- bzw. Portopreis
Fakt Nr. 1: 9 von 10 Kunden geben an, dass kostenloser Versand der wichtigste Faktor beim Onlinekauf ist. Fakt Nr. 2: Der häufigste Grund für einen Warenkorbabbruch sind unerwartete Kosten, zum Beispiel solche für den Versand. Fakt Nr. 3: 56 % der Kunden verlassen den Warenkorb, nachdem ihnen das Porto berechnet wurde. Fakt Nr. 4: Kostenloses Porto fördert Wiederholungskäufe und erhöht den durchschnittlichen Einkaufswert. Fakt Nr. 5: 92 % der Käufer kaufen mehr, nur um sich den kostenlosen Versand zu sichern. Fakt Nr. 6: 81 % der Kunden tätigen keinen weiteren Kauf in einem E-Shop, der bei einer Warenrücksendung Porto berechnet. (Quelle: Transportation Insight)
Fakt Nr. 7: Aus dem oben Genannten folgt, dass die Nutzung des Vorteils „kostenloser Versand" ein starkes Marketing- und Verkaufsinstrument ist. Zugleich ist es aber ein erheblicher Kostenfaktor für den Händler. Auch wenn es auf den ersten Blick den Transport betrifft, ist es in Wirklichkeit ein reines Akquiseinstrument. Der Versanddienstleister entscheidet einerseits in keiner Weise über diesen Vorteil für die Käufer, andererseits wird von ihm weiterhin derselbe Service bei der Paketzustellung erwartet. Angemessen ist es also, diese Kosten in der Kategorie der Marketingkosten zu betrachten und nicht als Transportkosten, die der Absender subventionieren muss, wie es viele oft argumentieren.
Unsere Empfehlungen
Empfehlung Nr. 1: Vergleichen Sie nicht nur den Paketpreis bei den einzelnen Versanddienstleistern im jeweiligen Gewicht. Rechnen Sie sich die gesamten Versandkosten für das ganze Jahr zusammen und berechnen Sie den Durchschnitt pro Paket. Sie erhalten ganz sicher einen objektiveren Blick.
Empfehlung Nr. 2: Überlegen Sie, wie Sie erhöhte Transportpreise oder Zuschläge Ihren Kunden kommunizieren, und versuchen Sie gegebenenfalls, die Preisdifferenz auf den Produktpreis und den Transportpreis zu verteilen.
Empfehlung Nr. 3: Käufer reagieren auf das Wort KOSTENLOS, aber auch auf das Wort RABATT. Versuchen Sie, den kostenlosen Versand ab einer bestimmten Einkaufssumme z. B. durch 50 % Rabatt auf die Zustellung zu ersetzen und den kostenlosen Versand an eine noch höhere Einkaufssumme zu knüpfen.
Empfehlung Nr. 4: Für jeden Versanddienstleister ist die Weihnachtszeit anspruchsvoll, und bei jedem von ihnen treten Probleme auf. Die Frage ist, wer sie am besten bewältigt. Hinweise können Ihnen die Investitionen in das Logistiknetz, in die Menschen und in die Leistungen geben, die „leider" etwas kosten. Ob der Preis den Wert widergespiegelt hat, erfahren Sie nach Weihnachten. Führen Sie die Analyse der Leistungen deshalb erst nach deren Ende durch.
In jedem Fall wünschen wir Ihnen, ob Sie nun Inhaber oder Mitarbeiter eines E-Shops sind oder in einem Kurierdienst arbeiten, viel Geduld, Kraft und Verständnis für die kommenden Tage und Monate. Wir alle werden es brauchen.
Ein provokanter Denkanstoß zum Schluss
Alle sprechen über den Preis, aber wenn es hart auf hart kommt, interessiert am Ende jeden die Qualität. Denn irgendjemand kann es immer billiger machen …
